Die Forscher der Klinik für Neurologie (Direktor: Prof. Dr. Dr. Erich Bernd Ringelstein) am Universitätsklinikum Münster (UKM) reduzierten bei einem Teil der Studienteilnehmer drei Monate lang die tägliche Nahrungsmenge auf bis zu zwei Drittel der üblichen Kalorienmenge ("kalorische Nahrungsrestriktion"). Es ist das erste Mal, dass in einer Studie mit älteren Menschen der Nachweis eines Vorteils dieser "gehirnschützenden Diät" erbracht wurde. Die Studie erfolgte in Kooperation mit der Klinik für Innere Medizin B am Univeritätsklinikum Münster (Privat-Dozent Dr. Reinhold Gellner) und mit Dr. Manfred Fobker (Labormedizin). Klinikdirektor Prof. Dr. Erich Bernd Ringelstein: "Wir hoffen und wünschen uns, dass diese Studie dazu beiträgt, ein Umdenken in unserem Lebensstil aller Altersgruppen einzuleiten, damit geistige Frische und Wohlergehen lange erhalten werden können." Fünfzig Personen, durchschnittlich 60, 5 Jahre alt, nahmen an der Studie teil. Die Untersuchung wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), dem Interdisziplinären Zentrum für Klinische Forschung (IZKF) der Medizinischen Fakultät der Universität Münster, dem Fördermittelprogramm "Innovative Medizinische Forschung" (Münster) und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt.
Schon zuvor war aus Tierversuchen bekannt, dass eine Reduzierung der täglichen Nahrungsmenge zu einer besseren Erinnerungsleistung und Raumorientierung im Alter führen kann. Auch war aus epidemiologischen Beobachtungsstudien bekannt, dass die erhöhte Zufuhr von einfach oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl, Fischöl) und kalorienarme, mediterrane Kost einen relativen Schutz vor neurodegenerativen Krankheiten, vor allem Morbus Alzheimer und geistigem Altersabbau mit sich bringt. Nun konnten diese Erkenntnisse in einer interventionellen Studie mit älteren Menschen bestätigt werden. Für das alternde Gehirn sind vorteilhafte Effekte zu erwarten.
Die Studie ist auch vor dem Hintergrund des Übergewichts vieler Kinder von großer Bedeutung: Zeigt sie doch, dass das Absenken des Insulinspiegels mit einer Verbesserung der kognitiven Funktion einhergeht - und der Anstieg zum Gegenteil führt. Prof. Ringelstein: "Die übergewichtigen Kinder werden als Erwachsene nicht nur sehr viel kränker sein als die Vorgänger-Generation, auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit wird durch das Übergewicht und den gesteigerten Insulinspiegel im peripheren Blut zunehmend leiden. Insulinabhängige Stoffwechselwege des Gehirns sind für die Stabilisierung des Langzeitgedächtnisses und für die Anpassung des Gehirns an wechselnde Anforderungen maßgeblich."
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft, A. V. Witte, M. Fobker, R. Gellner, S. Knecht, A. Flöel, Caloric restriction improves memory in elderly humans, PNAS 2009 106:1255-1260, 26.1.2009